Im Interview mit unserem Lager

29.09.20 - von Lena

 

Regionalität ist einer unserer wichtigsten Werte. Doch wie vertreiben eigentlich Obsthändler aus dem Hamburger Alten Land ihre Rohstoffe? Im Interview gibt uns Ralf Ehlers vom Familienbetrieb "Obstland Ehlers" Einblicke in die Arbeit eines Obstversands. Außerdem verrät er, wie genau es zu der Kooperation mit KALEANDME kam und welche Aufgaben sein Betrieb übernimmt.

Seit wann gibt es den Familienbetrieb Ehlers?

"Der Obstversand Ehlers wurde 1890 von meinem Ururgroßvater gegründet. Der war damals als sogenannter Obsthandelsschiffer tätig. Früher wurden die Äpfel aus dem Alten Land mit Kähnen nach Berlin gefahren. Natürlich wurden die Äpfel damals nicht so verpackt wie heute, sondern in Siften. Das sind geflochtene Körbe, die mit Leinentüchern abgedeckt wurden. Den vollbepackten Kahn haben Pferde dann über den Wasserweg nach Berlin gezogen."

Aus dem Obstanbau ist der Obstversand Ehlers entstanden. Wie kam es dazu?

"Ich habe Großhandelskaufmann gelernt und zwölf Jahre Obstanbau betrieben. Danach habe ich mich auf den Handel konzentriert. Bei der Ernte spielen Faktoren eine Rolle, auf die man keinen Einfluss hat..."

Welche Faktoren meinst Du?

"In erster Linie das Wetter! Leider hatten wir in den letzten Jahren viel Hagel. Mittlerweile gibt es zwar Hagelschutz-Netze, die von der EU gefördert werden. Aber trotzdem muss man als Obstanbauer noch sehr viel Geld in die Hand nehmen. Dazu kommen auch noch teure Versicherungen. Um es platt zu sagen: Dann hat man für 500.000 Euro Äpfel am Baum - und die sind alle im Eimer. Deshalb habe ich beschlossen, mich wieder auf den Obsthandel zu fokussieren."

Stichwort Familienbetrieb: Wer übernimmt welche Aufgabe?

"Grundsätzlich übernehme ich alle (lacht). Außerdem unterstützt mich meine Frau Susanne. Die hat aber noch einen anderen Job beim “Förderverein für integriertes Obst aus dem Alten Land”. Das ist ein EU-Schulapfel-Projekt. Dieser Förderverein beliefert Schulen und Kitas, die Obst aus dem Alten Land beziehen möchten. Meine Frau ist dort seit zwei Jahren angestellt und fährt montag-, dienstag und mittwochnachts überwiegend in Hamburg Kitas und Schulen an."

Was für Obst verschickt der Obstversand Ehlers?

"Wir verschicken das, was saisonal hier im Alten Land wächst- das ist unser Hauptgeschäft. Überwiegend sind das Äpfel und Birnen. Außerdem noch Kirschen, Pflaumen und Zwetschen."

Von wie vielen Erzeugerbetrieben bezieht ihr das Obst?

"Wir arbeiten traditionell sehr lange mit der ElbeObst zusammen, das ist ja eine große Erzeugerorganisation hier im Alten Land. Dort kaufe ich hauptsächlich ein. Den Rest beziehe ich vereinzelnd von befreundeten Erzeugerbetrieben. Insgesamt arbeiten wir mit rund 15 Erzeugerbetrieben zusammen."

Wo kann man Obst von Ehlers bestellen?

"Neben dem traditionellen Großhandel haben wir seit rund zwei Jahren einen Online-Shop, worüber man bestellen kann. Der Online-Shop hat zugegebenermaßen etwas unprofessionell angefangen, denn ich war an der Shop-Entwicklung selber beteiligt (lacht). Ich habe mich für ein einfaches Shop-System entschieden. Zunächst war die Nachfrage online relativ überschaubar, letztes Jahr hat sich das dann aber überraschend geändert. Das kam ziemlich unerwartet."

Warum?

"Ich verkaufte über den Online-Shop auch die Apfelsorte Wellant. Der hat einen höheren Anteil an Polyphenol und ist dadurch extrem Allergiker-freundlich. Letztes Jahr im Juni konnte man den Wellant anscheinend nicht mehr auf den Wochenmärkten erwerben, das hat mir dann natürlich in die Karten gespielt. Das war dann sozusagen der Durchbruch meines Online-Shops."

Um nochmal auf den Versand zu sprechen zu kommen: Wie funktioniert der Versand, wie verschickt man frisches Obst? Und an wen verschickst Du überhaupt?

"Wenn die Mengen nicht so groß sind, verpacken wir das Obst manuell. Bei größeren Mengen ist das ein sehr komplexer Vorgang. Ich probiere das einmal kurz am Beispiel Apfel zu erläutern. Wir haben sogenannte “Großkisten-Entleerer”. Da kommt dann beispielsweise eine Box mit 320 Kilo Äpfeln rein. Die wird von der Maschine hochgefahren und dann automatisch entleert. Anschließend kommen die Äpfel auf das Packband, da entscheidet man dann, welches Gebinde für die Äpfel verwenden werden sollen - je nach Kundenwunsch! Alleine bei den Äpfeln haben wir rund 15 verschiedene Verpackungsmaterialien. Von der Schale, über diverse Schalen-Versionen, über Tüten-Modelle, Tragetaschen, die sich dann wiederum in Plastik- Mehrweg- und Holzverpackung unterscheiden. Was das Klientel angeht: Wir haben Kunden auf dem Großmarkt, aber leider hat sich das Geschäft mit dem Großmarkt stark verändert. Das liegt daran, dass die Discounter sehr stark geworden sind. Mittlerweile beliefern wir hauptsächlich größere Wochenmarkthändler - und das überregional. Mit unseren Kunden haben wir dann auch täglich Kontakt. Wir füllen die Lücken mit der Belieferung von größeren Einzelhandelsgeschäften."

Inwiefern hat sich der Großmarkt verändert und woran liegt das?

"Das ist sicherlich auch dem Angebot und der Masse an Lebensmittelläden geschuldet. Jeder Ort hat mindestens einen Discounter, die Supermärkte feiern sich mit Regionalität. Man versucht die Leute natürlich mit allen gängigen Mitteln zu ködern. Letztendlich ist es ja so: Der Wochenmarkt ist eine tolle Sache, aber man muss es sich auch leisten können.

Ihr achtet sehr auf die Qualität des Obstes. Was macht einen qualitativ guten Apfel aus?

"Als Handelsbetrieb sind wir natürlich an das Handelsklassengesetz gebunden. Das heißt, der Gesetzgeber sagt uns, was ein guter Apfel ist. Ein qualitativ guter Apfel ist einer, der der Klasse 1 entspricht. Und die Klasse 1 sagt, dass der Apfel fast makellos sein muss. Die inneren Werte müssen stimmen, also das Zucker-Säure-Verhältnis und die Fruchtfleischfestigkeit. Ein guter Apfel darf keine Druckstellen aufweisen, die Farbe und generell das äußere Erscheinungsbild muss stimmen. Die Äpfel müssen sauber sein und dürfen beispielsweise kein Blatt am Stengel haben. Die Klasse 2 erlaubt etwas mehr an Fehlern, aber auch nur wenige."

Wie lagert Ihr das Obst, bevor ihr es versendet?

"Natürlich lagern wir alles gekühlt. Aber der entscheidende Faktor spielt sich weit früher ab: Es kommt auf den Verlauf der Vegetationsperiode an. Das heißt: Wie kommt das Obst vom Baum. Wenn das Obst gut vom Baum kommt, witterungs technisch gut gewachsen ist, dann ist das Obst lagerfähig und stabil. Stabile Äpfel halten länger im Lager. Abhängig ist also eigentlich alles, von der Zeit zwischen Blüte und Ernte."

Stichwort Lagerung und Versand. Ich versendet ja auch die Kartons von Kale&Me. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

"Die Zusammenarbeit ist über die ElbeObst entstanden. Kale&Me und die ElbeObst betreiben gemeinsam die Nordsaft GmbH . Ich beziehe einen Großteil meines Obstes von der ElbeObst. Ich hatte offene Ressourcen im Lagerbereich und wurde von meinem Ansprechpartner von der ElbeObst GmbH auf Kale&Me hingewiesen. So kam es zu der Kooperation. Jetzt lagern wir für Kale&Me die komplette Verpackung sowie die Säfte. Die werden natürlich auch in unserem Kühlhaus gelagert. Je nach Bestellung befüllen wir dann die Kartons von Kale&Me und machen diese soweit versandfertig. Am Tag verschicken wir bis zu 400 Kartons!"

Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit einem Jungunternehmen?

"Ich finde die Kooperation sehr interessant. Wir sind ja auch ganz witzig zusammen gekommen, es ist ja nicht so, als hätte der eine den anderen gesucht. Ich bin neuen Sachen gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Daher fand ich Kale&Me auch gleich interessant. Zudem muss ich sagen, finde ich die Produkte super cool und lecker. Auch wenn ich noch keine Saftkur gemacht habe (lacht). Meine Nachbarn übrigens finden die Produkte auch ganz toll und kommen manchmal vorbei und gucken zu, wie wir die Kale&Me Kartons bestücken. Als ich denen dann erzählt habe, dass die Säfte regional und frisch hergestellt waren, waren die Zitat “geflasht”. Die Produkte von Kale&Me sind in unserem kleinen Ort zum Highlight geworden."

Hast Du einen Lieblinsgsaft?

"Berry Amy. Wobei ich sagen muss, dass ich auch total auf die Shots stehe. Wenn ich zwei von denen trinke, dann bin ich auch weg." (lacht)

 

Kaleandme Lager regional

Ralf Ehlers betreibt den Familienbetrieb "Obstland Ehlers" - einen seit 100 Jahren bestehenden Familienbetrieb im Hamburger Alten Land. Hier vertreibt er über den Obstversand Ehlers nicht nur diverse regionale Obstsorten, sondern führt auch unser Lager. Du möchtest mehr über den Obsthof Ehlers erfahren?

 

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